Brahms-Requiem im Domkonzert am 10. November

Beim diesjährigen Domkonzert am Sonntag, 10. November, stand "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms auf dem Programm - 150 Jahre nach der Erstaufführung der Endfassung des berühmten Werkes.

Nach neun Jahren, also fast einem Jahrzehnt, wurde das Brahmsrequiem beim Domkonzert am 10.11.2019 vom Domchor, der Jungen Domkantorei und dem Domorchester unter der Leitung von Frau Domkapellmeisterin Lucia Hilz zum zweiten Mal nach 2010 aufgeführt. Vor genau 150 Jahren, also 1869, fand die Uraufführung von „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms statt. Die Besonderheit an diesem Stück ist, dass es keine Totenmesse im klassischen Sinn ist, sondern dass der Komponist Bibelstellen, die den Hinterbliebenen Trost spenden sollen, selbst zusammengestellt hat. In der aktuellen Genderdebatte gewinnt gerade die Partie in Nummer 5 „Ich will euch trösten“ nach Jes 66,13 „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet so tröste ich euch“ eine besondere Bedeutung. Denn hier wird explizit die weibliche Seite im Gottesbild in den Fokus gestellt. Die Herausforderung für den Chor war es, in der Probenarbeit das Stück nicht als bereits für ein Konzert einstudiert und damit „bekannt“ zu sehen, sondern die eigenen Erfahrungen und Schicksalsschläge der letzten neun Jahre mit in die Musik zu legen und diese nach einem weiteren Lebensjahrzehnt mit all seinen schönen, aber auch traurigen Momenten neu zu interpretieren und umzusetzen. Die Botschaft des Requiems und den eigenen veränderten Lebensweg mit in das Konzert zu nehmen gelang den Sängerinnen und Sängern sowie dem Orchester dank der Hilfe von Frau Hilz in besonderer Weise. Das Konzert war für die Zuhörerinnen und Zuhörer ein berührendes Erlebnis, wozu unter anderem das große, vollbesetzte Orchester und die einzigartige Stimmung im Dom ihren Beitrag leisteten. Auch die Solisten, Susanne Bernhard (Sopran) und Christian Hilz (Bariton), die ihre Partien sehr gefühlvoll gestalteten, trugen ihren Teil zu dem gelungenen Konzert bei. Das Domkonzert war in der tristen Novemberzeit so ein echter Lichtblick, der den Zuhörerinnen und Zuhörern in Erinnerung gerufen hat, dass etwas viel Größeres auf uns alle wartet, als wir es uns vorstellen können, und dass wir in allen Lebenssituationen auf Gott vertrauen dürfen, der uns so liebevoll trösten will, wie man nur von einer bedingungslos liebenden Mutter getröstet werden kann. Dass diese Botschaft des Trostes bei den Zuhörerinnen und Zuhörer ankommt und sie diese aus dem Konzert mit in ihr Leben nehmen, wünschte ihnen auch Herr Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg, der vor dem Konzert einleitende Worte sprach, und bestimmt war es ein Gedanke, der durch die Musik viele berührte.

Birgit Schnabl