Der Münchner Domchor zu Gast im Salzburger Dom

Am 27. Juli, dem Sonntag des ersten Festspielwochenendes in diesem Jahr, sang der Münchner Domchor zusammen mit dem Salzburger Domchor beim Hauptgottesdienst im Salzburger Dom die "Missa Bruxellensis" von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704). Die Leitung hatten die beiden Domkapellmeister, Lucia Hilz und János Czifra.

Pünktlich zum Abschluss des Chorjahres war es nach drei Jahren wieder soweit: ein Ausflug nach Salzburg zum dortigen Domchor, um gemeinsam zu musizieren. Am 27.07.2019 erfolgte die Anreise und nach Ankunft im Hotel und Seminarhaus St. Virgil eine kurze Führung durch diese architektonische Besonderheit: das Bauwerk des im Juni verstorbenen Salzburger Architekten Wilhelm Holzbauer (u.a. Architekt der Oper Amsterdam, des Festspielhauses Baden-Baden oder auch der österreichischen Nationalbank in Wien) ist ganz auf ein „Miteinander“ ausgerichtet. In besonderer Weise wird dieses Leitmotiv durch die Motive des Emmaus-Evangeliums in den Wandmalereien der Hauskapelle verdeutlicht.
Am Samstagnachmittag war die Generalprobe für die „Missa Bruxellensis“ (benannt nach dem Fundort der Noten in Brüssel) von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), ebenfalls ein Sohn der Stadt und seinerzeit fürstbischöflicher Kapellmeister zu Salzburg. Der Empfang durch den Leiter der Dommusik Salzburg, Domkapellmeister Prof. János Czifra war sehr herzlich, und auch von den Choristen wurden wir sofort problemlos integriert. Neben der historischen Form der Aufstellung der vier miteinander musizierenden Chöre (die beiden Domchöre, ein Solistenchor und die Instrumentalisten, die den vierten Chor darstellen) unter Einbeziehung der beiden westlichen Pfeilerorgeln und den dazugehörigen Emporen  (jeweils ein Organist und links der Solistenchor, rechts Instrumentalisten) und der Vielzahl historischer Blasinstrumente war auch das Gefüge des Ensembles besonders: im „normalen Leben“ kaum bekannte Mitmenschen, nicht nur aus verschiedenen Ensembles, sondern auch aus verschiedenen Ländern , teilweise aufgrund der unterschiedlichen Sprachen nur bedingt zu  Gesprächen fähig, finden sich zu einer großen, in der Musik harmonisch kommunizierenden Gemeinschaft zusammen, ohne Grenzen, ohne Vorbehalte…
Nach der Probe waren wir alle eingeladen zur gemeinsamen Brotzeit beim Salzburger Domchor. Nach der Stärkung und anregenden Gesprächen passierte, was immer geschieht, wenn mehrere Musiker miteinander Zeit verbringen: Instrumente werden wieder ausgepackt, Noten zusammengesucht, Stimmen von Bier und Schinkenbrot freigeräuspert – und gemeinsam aus dem Stand musiziert.
Im Café von St. Virgil fand dann noch ein gemütlicher Ausklang eines schönen und erfüllten Tages statt.
Am Sontag, 28.07. 2019, um 10 Uhr fand dann der festliche Gottesdienst im Dom unter der Leitung der beiden Domkapellmeister Lucia Hilz und Prof. János Czifra statt. Zelebrant war der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der für die Salzburger Hochschulwochen angereist war. Trotz der Dauer durften alle Messteile gesungen werden. Nach diesem musikalischen Genuss und dem anschließenden Mittagessen ging es zurück nach München, erfüllt von den Nachklängen wunderbarer Musik und schöner Stunden, mit der Vorfreude auf ein nächstes Mal.

Verena Hoch