30. August - 150. Geburtstag von Domorganist Josef Schmid (1868 – 1945)

Im 150. Jahr seiner Geburt brachte die Münchner Dommusik einige Werke des früheren Domorganisten Josef Schmid zu Gehör. Zu den erfreulichen Ereignissen in seinem 150. Jubiläumsjahr zählt die Wiederauffindung seines als verschollen gegoltenen Orgelkonzertes für Orgel und großes Orchester sowie seiner beiden Opern „Die Schildbürger“ und „Die goldene Hand“. Gegen Ende des Jahres wird eine CD mit Live-Mitschnitten aus dem Münchner Dom erscheinen und so ein kleines Spektrum seines Schaffens hörbar machen.

Mit dem Namen „Josef Schmid“ verbindet man heute als allererstes den zweiten Münchner Bürgermeister. Dass in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ein Mann gleichen Namens eine der prägendsten Musikerpersönlichkeiten der Stadt, insbesondere der Kirchenmusik verkörperte, ist heute weitaus vergessen. Über 43 Jahre wirkte Josef Schmid (ab 1918 Königlicher Musikdirektor) als Domorganist in München, das er zeitlebens trotz mancher Angebote kaum verlassen hat. Seine Tätigkeit wurde durch die Zerstörung des Domes und seiner damals erst acht Jahre alten Orgel beendet. In all den Kriegswirren endete Schmids Leben ein Jahr später am 10. Juli 1945. Geboren wurde Schmid als zweites von insgesamt drei Geschwistern am 30. August 1868.

Dieses 150. Anniversarium nahm sich die Münchner Dommusik zu Herzen, um einen ihrer profiliertesten Ahnen zu würdigen. So erklangen bereits beim „Aschermittwochsgottesdienst der Künstler“ drei Sätze aus seiner achtstimmigen dorischen a Cappella Messe „Missa Gaudeamus“. Zu Ostern wurde neu einstudiert seine Festmesse in C für Chor, großes Orchester und Orgel Op. 32 und sein Osteroffertorium „Terra tremuit“. Im Juli wurde seine Missa „Pax vobis“ Op. 78 für Chor und Orgel wiederholt. Aus der Vielzahl seiner Orgelwerke waren eine Auswahl bei den sommerlichen Orgelkonzerten zu hören; u.a. seine Legende für Orgel „St. Bonifacius“ aus dem Jahr 1892. Zu St. Bonifaz in München hegte Schmid durch seine frühen, kindlichen kirchenmusikalischen Erfahrungen zusammen mit der Mutter und seinen Geschwistern eine Verbindung.

Schmid studierte bei Josef Rheinberger (Komposition), Ludwig Thuille (Theorie) und Otto Hieber (Orgel). Er hinterließ ein äußerst reichhaltiges Œuvre, das alle musikalischen Gattungen einschließt und an die 400 Werke zählt. Zu den erfreulichen Ereignissen in seinem 150. Jubiläumsjahr zählt die Wiederauffindung seines als verschollen gegoltenen Orgelkonzertes für Orgel und großes Orchester sowie seiner beiden Opern „Die Schildbürger“ und „Die goldene Hand“. Sein bestehender Nachlass befindet sich heute im Archiv der Münchner Dommusik und der weitaus größere Teil in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek. Widmungen seiner Werke an führende  Musikerpersönlichkeiten wie Reger, Riemann, Straube in Leipzig, Guilmant in Paris u.a. bezeugen durchaus seine Eingebundenheit in das weltläufige zeitgenössische Musikleben.

Schon in jungen Jahren war Schmid als Konzertorganist im Kaim-Saal, der späteren Tonhalle, tätig. In kinderlos gebliebener Ehe war Schmid seit 1910 mit der bekannten Harfenistin Pauline Beecke verheiratet. Schmid wirkte sehr erfolgreich als begehrter Klavierbegleiter und scharte sämtliche damaligen Sangesgrößen um sich. Auch als Chorleiter hatte Schmid in München einen Namen: er leitete den Akademischen Gesangsverein und den Männergesangsverein „Liederhort“. Da er als Domorganist so schlecht bezahlt wurde, musste er, um überleben zu können, Orgeldienste auf Münchner Friedhöfen und ab 1930 am neu eröffneten Krematorium am Ostfriedhof übernehmen. Wie der Nachfolger Schmids, Heinrich Wismeyer dem Verfasser dieser Zeilen noch mündlich mitteilte, sei Schmid nach Kriegsende regelrecht verhungert. Gegen Ende des Jahres wird eine CD mit Live-Mitschnitten aus dem Münchner Dom erscheinen und so ein kleines Spektrum seines Schaffens hörbar machen.

Hans Leitner, 21. VIII. 2018