Nach wie vor ist Max Ehams Musik in seinen vielen Chorsätzen, Messen und Vespern am Dom und im ganzen Erzbistum München und Freising präsent. Die Münchner Dommusik hat er in seiner langen und fruchtbaren Amtszeit maßgeblich geprägt. Seine feierlichen Vespern zu den großen Hochfesten sind neben den Messen und Motetten für sämtliche Anlässe des Kirchenjahres bis heute beliebter und fester Bestandteil im kirchenmusikalischen Jahresprogramm am Dom.
Die Initiative zum Auftrag der Gedenktafel und die Finanzierung des vom Künstler Matthias Rodach (Dießen) gestalteten Kunstwerks ist Prof. Claus Hipp zu verdanken. Dompfarrer Msgr. Klaus Peter Franzl nahm die Segnung vor. Zuvor hat der Neffe des Komponisten, Prof. Dr. Markus Eham, eine Würdigung seines Onkels vorgetragen, die hier nachgelesen werden kann:
"Verehrte, liebe Freunde der Musik von Max Eham,
ein schöner Anlass des Erinnerns an den vormaligen Domkapellmeister hat uns hier nahe an seiner Wirkungsstätte zusammengeführt. In unserer digitalisierten Welt ist der Hinweis angebracht: Erinnern ist anders als Speichern: Im Speicher sind Daten nach mathematischer Logik abgelegt – emotionslos und geschichtslos abrufbar.
Wenn wir erinnern, schwingt hingegen unser Leben mit; bei jedem von Ihnen werden andere Facetten von Max Eham präsent sein, die aus der Begegnung mit ihm oder seiner Musik weiterklingen.
Matthias Rodach hat eine bleibende Erinnerung in einem gelungenen Bronze-Bild geschaffen.
In Erinnerung bleibt Max Eham freilich auch durch das Klang-Bild seiner Musik. Für mich ist sie charakterisiert durch den Dreiklang: Gehaltvoll (nie vordergründig) – maßvoll (keine Note zu viel) und taktvoll gegenüber denen, die sie machen und hören, weil sie das in der Praxis Mögliche nicht aus dem Auge verliert.
Man könnte auch sagen: Musik aus der Werkstatt Max Ehams ist maßgeschneidert
- auf den Raum: die Pontifikal-Vespern klingen im Dom, wie wenn die Mauern dieser Halle mitsingen würden,
- auf den jeweiligen Anlass: Weihnachten klingt anders als Ostern.
- auf die Liturgie:
Bei letzterer musste die kompositorische Maßschneiderei des Domkapellmeisters spezielle Schnittmuster für die Façon des erneuerten Ritus entwickeln. Ging es doch nach dem II. Vatikanum nicht mehr darum, zur lateinischen Klerus-Liturgie eine klangliche Einkleidung zu liefern, sondern die Liturgie selbst zum Klingen zu bringen – und zwar auf deutsch und so, dass alle Feiernden mitvollziehen können im Hören und Selber-Singen. Max Ehams musikalische Rezeptur dafür: Chor und Gemeinde im Dialog auf Augenhöhe und ein nahrhafter Bläsersatz, der trägt und zum Mitsingen einlädt.
Ich staune immer wieder, wie mutig, ja progressiv der Domkapellmeister dieses Projekt angegangen ist, die Kirchenmusiktradition in eine neue Zeit hinein fortzuschreiben.
Selbstverständlich war das nicht für einen, der mit seiner großen „Missa Haec dies“ 1949 noch tief aus der lateinischen, symphonischen Kirchenmusiktradition schöpft und Bruckner’schen Geist atmet.
Und ohne Irritationen war der Weg zu einer neuen Feiergestalt für Chöre und gläubiges Volk bestimmt auch nicht. Onkel Max hat er-zählt: als in den 60er Jahren im Freisinger Dom zum ersten Mal sein neuer Eröffnungsgesang zur Korbiniansmesse auf deutsch anhob „Der Herr schloss einen Bund“ (vgl. Sir 45,24) – haben die Leute nach der Messe gefragt: Was habt's den heut' g'sungen: Der Herr schoss einen Hund?“ – Die Liturgie-Transformation in die Volkssprache verlief eben nicht ohne Hindernisse.
Ein sprechendes Medium der Erinnerung an unseren Onkel ist für mich auch das Bild seiner Notenschrift. Musiker sagen, sie spielen gern aus seinen autografen Noten, weil schon aus dem Schriftbild klar wird, nicht nur was, sondern auch wie es erklingen soll. Die kalligrafisch anmutenden Partituren spiegeln dreierlei wieder: Sorgfalt, Klarheit und Ruhe. In der Informationsflut und Hektik unserer Tage kommt das wie aus einer anderen Welt.
Diese Welt der Musik war so etwas wie Inspirationsfeld, Kraftort und Rückzugsraum für Onkel Max. Beim Zusammensein mit ihm, war schon spürbar, dass dieser Raum ihn bald auch wieder dorthin zurückzog zur Sprache der Töne, in der er etwas von der AndersWelt zum Klingen bringt, von der die Bibel spricht.
Ich denke, der Domkapellmeister wollte in seiner Musik denen, die sie hören und musizieren einen Anklang dieser AndersWelt geben, aus der wir Inspiration, Kraft und Trost schöpfen.
Ich freue mich zusammen mit meinen Brüdern und Verwandten, dass die Erinnerung an unseren Onkel durch die Initiative von Prof. Claus Hipp und die Kunst von Matthias Rodach nun auch einen schönen bildhaftenAnker in Bronze am Frauenplatz 14a hat."
Dr. Markus Eham