Passionskonzert mit der Jungen Domkantorei im Freisinger Mariendom am 13. April

Am Vorabend zum Palmsonntag war die Junge Domkantorei München zu Gast in Freising, um gemeinsam mit dem professionellen Ensemble Mons Doctus auf historischen Instrumenten unter der Leitung von Benedikt Celler barocke Werke zur Passionszeit für Soli, Chor und Orchester zur Aufführung zu bringen.

Das „Miserere in c“ von Johann Adolf Hasse (1699 – 1783) und Johann Sebastian Bachs Motette „O Jesus Christ, meins Lebens Licht“ (BWV 118) sowie seine Kantate „Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir“ (BWV 131) standen auf dem Programm des Passionskonzertes im Mariendom.Der junge Benedikt Celler ist neben seiner Tätigkeit als Domorganist am Freisinger Dom auch Assistent am Münchner Dom „Zu unserer Lieben Frau“. In dieser Funktion hat er Leitungsaufgaben in der Domsingschule. Celler absolviert aber auch Dirigate mit verschiedenen Ensembles, darunter die „Junge Domkantorei München“, junge Sängerinnen und Sänger, die ihre Kunst auf wirklich hohem Niveau zeigten. Dazu das renommierte Ensemble „Mons doctus“, das mit seinen historischen Instrumenten oder mit Nachbauten in variabler Besetzung im Freisinger Dom praktisch zu Hause ist, aber regelmäßig auch eigene Konzerte gibt – eine Musikerschar nach Maß. Neu war in diesem Kreis die Truhenorgel von Henk Klop/Sohn aus den Niederlanden (Garderen) aus dem Jahr 2019, gespielt von Dommusikdirektor Matthias Egger. Eine Orgel, klein in den Maßen, aber groß, klangvoll und ausdrucksstark im Ton.Domrektor Professor Dr. Marc Aeilko Aris scherzte eingangs seiner Begrüßung, dass niemand so oft im Dom zu Freising und im Münchner Liebfrauendom präsent sei, wie Benedikt Celler, nicht einmal der Erzbischof von München und Freising. Das Passionskonzert bilde die „Einführung in die Karwoche“, fuhr der Professor fort. Das „Miserere in c“ charakterisierte Aris als „nachdenkliches Gespräch eines Beters“, während die Kantate die „Stimmung eines Menschen“ widergebe, der über das Elend nachdenkt und aufge-fordert wird, „auf den Herrn zu hoffen“ – in Anlehnung an die antike griechische Tragödie. In Bachs Motette erkannte er das „letzte Gespräch Jesu mit einem Verbrecher“, dem der Gottessohn zwar nicht „der Sünden Last“ erspart, den er am Ende aber beglückt mit dem Paradies.Zu Gehör brachten die Werke von Hasse und Bach neben den weit über 30 Sängerinnen und Sängern der „Jungen Domkantorei München“, alle im Alter von 15 bis 22 Jahren, auch zwei Solistinnen und zwei Solisten. Die Bass-Stimme sang dabei der in Freising nicht unbekannte Benedikt Eder, der Master in Konzertgesang, der auf vielen Bühnen zu Hause ist und z.B. seit 2013 im Extrachor des Chors des Bayerischen Rundfunks singt. Der Tenor war Magnus Dietrich, ein studierter Schulmusiker, der seit 2017 Gesang studiert und darüber hinaus in vielen „Klangkörpern“ aktiv ist. Die Altstimme sang die Mezzosopranistin Susan Zarrabi, die derzeit im Master of Music an der „Hochschule für Musik und Theater“ in München studiert und in vielen Chören mitwirkt. Große internationale Erfahrung hat Anna Karmasin, Master im Fach Liedgestaltung, Mitwirkende in renommierten deutschen Orchestern und engagiert im Bereich Neue Musik. Sie sang mit königlicher Haltung den Sopran-Part.Traurig beginnt das „Miserere in c“, der Psalm 51: Miserere mei Deus, secundum magnam misericordiam tuam“, seufzte der Chor. „Wasch meine Schuld von mir ab und mach mich rein von meiner Sünde!“ Und die jungen Sängerinnen und Sänger baten zerknirscht: „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und einen festen Geist“. Erfreulich für den Zuhörer: Die Traurigkeit, die Düsternis der lateinischen Textvorlage wich gegen Ende des „Miserere“ fast überraschend einer fast beschwingten Musik, ein lieblicher italienischer Wohlklang machte sich im Freisinger Dom breit, der Einfluss des Belcanto wurde hörbar – ein guter Boden für Hoffnung. Die Solisten konnten brillieren, der Bass etwa beim Schuldeingeständnis, bei „Tibi soli peccavi“, die Altistin und der Tenor, als sie baten: „Verwirf mich nicht vor deinem Angesicht; et spiritum sanctum tuum ne auferas a me“. Grandios das Sopransolo, in dem die Sängerin erkennt, dass Gott an Schlacht- und Brandopfern keinen Gefallen hat, aber ein zerbrochenes Herz nicht verschmähen wird. Von der Bach-Motette kam die erste der insgesamt 15 Strophen zur Aufführung. Es war die Stunde des Chores, der getragen Christus als Hort, als Trost, als Zuversicht pries und wusste: „Auf Erden bin ich nur ein Gast“ und dann mit dem Schächer erkannte: „Ich hab für (vor) mir ein schwere Reis zu dir (Jesus) ins himmlisch Paradeis“. Die Bach-Kantate brachte danach im Kreise des tollen Ensembles „Mons doctus“ wunderbare Oboenklänge, der Chor intonierte „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“, den Psalm 130. Sopran und Bass fragten: „Herr, wer wird bestehen?“ angesichts der Sünde in der Welt, aber die Sänger wussten auch „bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte“. Und im Choral kam zum Ausdruck, dass Jesus die Sünden der Menschen „gebüßet“ hat, „am Holz mit Todesschmerzen“, damit der Sünder nicht untergeht, „noch ewiglich verzage“. Alt und Tenor bekannten: „Meine Seele wartet auf den Herrn“, den ganzen Tag, während der Chor im Choral sich als „betrübter Sünder“ bezeichnete, „den sein Gewissen nagt“ und der „von Sünden abgewaschen sein (will) wie David und Manasse (Stammvater eines der Stämme Israels)“. Erlösend hieß es am Schluss: „Israel, hoffe auf den Herrn“, der sein Volk „erlösen (wird) aus allen seinen Sünden“.Mit dem letzten Ton brauste nicht enden wollender Jubel im Hauptschiff des Mariendoms auf. Das Publikum feierte Dirigenten, Orchester, Sängerinnen und Sänger mit begeistertem Klatschen. Mehrfach mussten sich die Künstler um Benedikt Celler verbeugen. Die Solisten bekamen gelbe Rosen – ein wunderbares Konzert war zu Ende.

Raimund Lex